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Wechselfieber wie im Profifußball

Die großen Transfers bestimmten im Winter die Schlagzeilen. Dabei geht fast unter, wie Vereinswechsel ganz unten ablaufen

|24. Februar 2025|
Foto: Adobe / LIGHTFIELD STUDIOS
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„Und jährlich grüßt das Murmeltier“ könnte man den plötzlichen Wintereinbruch betiteln. Pünktlich zum Rückrundenstart der meisten Herrenteams lagen Deutschlands Fußballplätze unter Schnee und Eis. Mal wieder! 

Zwar ist laut Jahresaufzeichnungen der Januar der kälteste und schneereichste Monat, aber das Wetter hält sich einfach nicht an die Statistik. Also gibt es wieder Nachholspiele in der Woche. In Berlin ist das nicht so schlimm, da sind die Wege kurz, muss man nicht gerade von Spandau West an den Müggelsee ganz im Osten. In ländlichen Gebieten fährt man an einem Wochentag manchmal 100 Kilometer oder mehr, je nach Spielklasse und geografischer Lage. 

 Die Hinserie wurde am 15. Dezember beendet, zumindest im Berliner Herrenbereich. Danach war acht Wochen Pause, wobei interessanterweise im Herren-Freizeitbereich schon am 5. Januar weiterging, bei der Altliga Ü60 am 13.01. Begründung: In den Winter- und Osterferien muss frei sein. Wahrscheinlich geht man davon aus, dass die Oldies reihenweise mit ihren Enkeln in den Urlaub fahren. Die Elterngeneration der Ü32 und Ü40 spielten hingegen am Ferienwochenende. Schließlich haben sie Zeit, denn Opa und Oma aus der Ü60 sind ja mit den Kindern im Urlaub. 

Wundersame Dinge im Amateurfußball

In der Winterpause passieren alljährlich wundersame Dinge, denn wie bei den Profis gibt es eine zweite Wechselperiode. Es ist hilfreich, in der Hinrunde schon ausreichend Punkte gesammelt zu haben. Denn einige Vereine, denen das Wasser bis zum Hals steht, wechseln im Winter zehn Spieler und mehr, starten dann in der Rückserie mit einem völlig neuen Kader. Dass dafür tief in die Tasche gegriffen wird, versteht sich. 

Besonders ärgerlich ist es, wenn im Dezember schon Spiele ausfallen. Denn dann hat man die runderneuerte Truppe des Gegners im neuen Jahr ggf. zweimal vor der Brust. Wettbewerb ist eben immer auch eine Sache der Betrachtungsweise. 

Für viele Spieler tun sich in der Winterpause urplötzlich ungeahnte Einnahmequellen auf. Denn aufgrund des Zeit- und Punktedrucks machen abwerbende Vereine schon mal unanständige Angebote. Wenn in der Bezirks- oder Kreisliga mehr als 500,– monatlich gezahlt werden, ist das zumindest fragwürdig. 

In den Verbandsligen gibt es schnell mal vierstellige Summen. Wenn die noch nicht mal durch die Bücher gehen, was nicht selten der Fall ist, muss man von kriminellem Handeln sprechen. Es liegt also eine Straftat vor. Sogar der Ehemann einer einstigen Nationaltrainerin wurde bereits angeklagt.

Keine Nestbeschmutzung

Bestimmt gibt es jetzt Leser, die mich an dieser Stelle der Nestbeschmutzung bezichtigen. „Machen doch fast alle so!“ heißt es dann. Ich frage mich seit Jahren, wie Vorstände das wilde Treiben mit gesundem Schlaf vereinbaren können. Aber da die Vergütung oft gar nicht erst über den Verein, sondern über dubiose Kassen läuft, sind sie fein raus. Es sei denn, man fährt das klassische Modell „Präsident = Sponsor“. Ich will hier nicht spekulieren. Nur so viel: Mir erzählte in der letzten Woche jemand glaubhaft über Verträge von 2.000,– und mehr in der Verbandsliga, wenn auch nicht in Berlin. Aber monatlich, versteht sich. 

Ganz gewiefte Legionäre lassen sich den Wechsel per Handgeld auf einen Schlag auszahlen. Kann der Abstieg trotz horrender Investitionen nicht mehr abgewendet werden, oder kommt eine Verletzung dazwischen, ist die Kohle schon mal gesichert. Wie sie verbucht wird? Keine Ahnung! Ich vermute mal, in vielen Fällen gar nicht. Gleichwohl ist der Fußball nicht allein. Auch beim Handball wird gezahlt. Neulich sagte mir ein Bekannter, er hätte früher beim Tischtennis in der 3. Liga gutes Geld verdient. Ich muss mal beim Kegeln nachfragen. 

Kinderschutzoffensive notwendig?

Die nächsten Wochen werden zeigen, wer bei den Transfers ein glückliches Händchen hatte. Inzwischen werden auf Transferplattformen schon 12-jährige Kinder angeboten. Ob deren Eltern etwas davon wissen? Und ist das mit der Kinderschutzoffensive des Deutschen Olympischen Sportbundes vereinbar? Ich habe da meine Zweifel.

Wie auch immer: Zehn oder zwölf neue Spieler machen noch keine Spitzentruppe. Schon in der Bundesliga kann man (aktuell beim BVB) sehen, dass Großverdiener längst nicht zu einer schlagkräftigen Truppe verhelfen müssen. Aber meistens steigen am Ende doch diejenigen ab (oder nicht auf), die nicht die Möglichkeiten haben, im Winter noch einmal richtig nachzulegen. 

Zum Ende einer Saison, so um die letzten fünf Spieltage, gibt es dann immer wieder eigenartige Ergebnisse. Tatsächlich war das schon immer so. Früher wurden gern mal mehrere Bierkisten von Verein A zu Club B transportiert. Heute hört man immer öfter von einer Aufbesserung der Mannschaftskasse für die Abschlussfahrt. Aber das ist noch mal eine ganz andere Geschichte.