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VfB Stuttgart: Die beste Krise seit langem?
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel findet nicht, dass die Schwaben diese Saison enttäuscht haben – Pokalsieger sollten sie aber schon werden

Foto: IMAGO/Steinsiek.ch
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VfB Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß hat gerade in einem Interview gesagt, dass er „mittel- bis langfristig regelmäßig international“ spielen will. Das habe ich nicht ganz verstanden, Schwaben spielen grundsätzlich jede zweite Woche im Ausland. Aber gut, ich weiß, was er meinte.
Dummerweise bietet sich heute womöglich die letzte Chance auf Stuttgarter Europapokalpartys 2025/26. Der VfB empfängt im Halbfinale des DFB-Pokals die neubetrainerten Leipziger, sie müssten dieses Spiel und das Finale gewinnen, um nächste Saison zumindest in der Europa League mitzumachen und damit ihr Minimalziel erreichen.
Ich verstehe, dass viele es enttäuschend finden, was der VfB bisher aus dieser Saison herausgeholt hat. Platz elf in der Bundesliga nach sechs Begegnungen ohne Sieg ist für einen Champions-League-Teilnehmer das, was ein Elektrosmart für Formel 1-Weltmeister Max Verstappen ist – einfach indiskutabel.
Ich möchte aber anmerken, dass mir der VfB Stuttgart trotz vieler Fehlzündungen Freude bereitet. (Jaja, ich weiß, ein Elektroauto hat keine Fehlzündungen.) Ich habe zwar nicht alles gesehen, aber der Vizemeister hinterlässt bei seinen Auftritten meistens einen guten Eindruck und verliert nur manchmal das Ergebnis aus den Augen.

Außerdem beliefert der VfB zuverlässig die Nationalmannschaft mit praktischem Zubehör. Das gilt sogar für die deutsche U21: Jüngst traf zum Beispiel der 1,98 Meter große Nick Woltemade dreimal im U21-Test gegen die ja nicht mal so schlechten Spanier.
Und wir dürfen nicht vergessen, wo der VfB herkommt. Vor zwei Jahren mussten sich die Schwaben noch in der Relegation mit dem Hamburger SV herumschlagen. Da kann man schon mal ein Auge zudrücken, wenn der Aufschwung nicht direkt zur Klub-WM, sondern bestenfalls ins Pokalfinale nach Berlin führt.
Ein Sieg dort, und die VfB-Krise wäre die beste seit langer Zeit gewesen – oder genauer: seit der Meisterschaft 2007. Tatsächlich sieht man in Bad Cannstatt schon seit 18 Jahren Siegtrophäen höchstens im Fernsehen. Der letzte Pokalsieg datiert gar von 1997. Damals spielte der heutige Gegner RB Leipzig – nun ja: nirgends.
Zu verdanken ist der neue nächste Aufschwung in erster Linie dem Trainer, daran besteht kein Zweifel im Ländle. Sebastian Hoeneß hat dem Elektrosmart, um im Bild zu bleiben, in zwei Jahren mühevoller Kleinarbeit ein Monocoque-Chassis, DRS, Achtgang-Getriebe, einen V6-Turbo-Verbennermotor und 18-Zoll-Felgen angebaut, der gute Max hätte jetzt seine Freude daran.
Deswegen durfte Hoeneß auch seinen Vertrag bis 2028 verlängern. Ich persönlich finde das vor allem deshalb gut, weil er das unheimliche Selbstbewusstsein und die Schuld-sind-grundsätzlich-immer-die-Anderen-Aura seines Vaters Dieter ausstrahlt, dem ich als Kind im Neckarstadion zugejubelt habe, eher er sich in Richtung Bayern München verabschiedete.
So etwas kann man nicht lernen, es wird einem in die Wiege gelegt.
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